Wenn erstmal so eine Atmosphäre herrscht, wie anscheinend leider an deiner Schule, dann finde ich es extrem schwierig das Ruder rumzureißen. Als ich noch ganz frisch im Lehrerberuf war, hatte ich noch die Illusion, dass ich allein im Kleinen etwas bewirken könnte. Das kann man auch, aber eben nur in sehr sehr begrenztem Maße. Inzwischen habe ich die Erfahrung gemacht, dass wirkliche Veränderung nur passiert, wenn die Erwachsenen gemeinsam die Führung übernehmen. Damit meine ich keine Autorität im konservativen Sinn, sondern der gemeinsame Wille von Schulleitung und Kollegen, gemeinsam einen neuen Weg zu gehen. Und das würde in dem Fall bedeuten, dass die Schulleitung von den Kollegen einfordert, dass diese verantwortungsvoll mit den Räumen der anderen umgehen. Und dass jeder Lehrer diese Haltung auch an seine Schüler weitergibt. Konkret heißt das für mich, dass ich zum Stundenende bleibe und darauf achte, dass der Raum ordentlich hinterlassen wird. Ggf. beende ich den Unterricht etwas früher, um dafür Zeit zu haben. So sehen die Kinder, dass es mir wichtig ist und ich da auch nichts „durchgehen“ lasse. Kommt es doch mal zu einer Beschädigung, so sehe ich es am zielführendsten, wenn auf Wiedergutmachung gesetzt wird. Aber wie gesagt, da braucht es den Willen und die Anstrengung aller Erwachsenen, um eine neue Kultur zu etablieren.
Und genau darin liegt mein Problem. Ich erwarte den Standard von den Kindern, aber kein anderer ist bereit dazu Arbeit reinzustecken. Ganz im Gegenteil. Ich bekomme Ärger mit den Kollegen, wenn ich Konsequenzen aus den Fehlverhalten der Schüler ziehe und diese bestrafe. Es schafft nur mehr Arbeit und keiner im Kollegium will mehr Arbeit.
Zunächst würde das mehr Arbeit machen, ja. Aber irgendwann würde es auch zum Selbstläufer. Aber ganz ehrlich, wenn die Bereitschaft bei den Kollegen nicht da ist, kann man das entweder akzeptieren und im Kleinen das machen, was möglich ist, oder man zieht weiter. Das habe ich letztendlich gemacht. Zum einen, weil ich keine Beamtin mehr sein wollte und zum anderen, weil ich an einer Schule arbeiten wollte, die meinen pädagogischen Vorstellungen nahe kommt. Und auch, um nachmittags noch genügend Energie für meine eigenen Kinder zu haben und mich nicht schon vormittags komplett aufzureiben.
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Ich bin kein Lehrer. Aber würde frech behaupten, dass die allgemeine Anreizstruktur an öffentlichen Schulen (Verbeamtung und fehlender Wettbewerber) und die Tendenz der individuellen Bequemlichkeit (die vielleicht bei Lehrern überdurchschnittlich hoch ist?!) als auch das allgemeine etatistische Mindset der Eltern die überwiegende Ursachen sein könnten :D
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