Anti-Spiegel
Grönland, Kanada, Panama
Warum Trump die USA zum flächenmäßig größten Staat der Welt machen will
Donald Trump hat erklärt, dass Grönland, Kanada und der Panamakanal Teil der USA werden sollen und er hat mit wirtschaftlichen und militärischen Mitteln gedroht. Worum geht es Trump dabei?
von Anti-Spiegel
11. Januar 2025 19:48 Uhr
Donald Trump ist inzwischen offiziell der designierte US-Präsident, nachdem der US-Kongress seine Wahl bestätigt hat. Nun wartet buchstäblich die ganze Welt darauf, was von seinen Ankündigungen er tatsächlich umsetzen kann und will.
Während er innenpolitisch den Tiefen Staat austrocknen will und außerdem auf seine Lieblingsthemen Migration, Steuererleichterungen und Ausgabenkürzungen setzt, kamen seine letzten außenpolitischen Aussagen überraschend, denn Trump hat eine Verschiebung von Grenzen im Westen ins Spiel gebracht und dabei Kanada, Grönland und den Panamakanal genannt. Kanada und Grönland will er den USA einverleiben, den Panamakanal will er übernehmen.
Alle drei Länder sind strategisch wichtig. Grönland ist aufgrund des US-Militärstützpunktes, den die USA dort nach dem Zweiten Weltkrieg eingerichtet haben, ein wichtiger strategischer Punkt für die Ausweitung des US-Einflusses in der Arktis, der Panamakanal ist ausgesprochen wichtig für den Handel und die US-Marine, weil er es ermöglicht, Schiffe schnell vom Atlantik in den Pazifik und umgekehrt zu bringen, und bei Kanada geht es um die Arktis, um die ein geopolitischer Kampf ausgebrochen ist.
Grönlands Bodenschätze und der Kampf um die Arktis
Grönland, die größte Insel der Welt, ist ein autonomes Gebiet des Königreichs Dänemark. Die Insel ist zu 80 Prozent mit Eis bedeckt und in dem autonomen Gebiet leben nur etwa 56.000 Menschen, die meisten davon sind Ureinwohner. Die Staatsform ist eine parlamentarische Republik, die dem Königreich Dänemark untergeordnet ist und unter dem “Schutz” der dänischen Krone steht. Diese Formulierung des “Schutzes” haben die Kolonialmächten von jeher für ihre Kolonien benutzt und sie war nie etwas anderes als eine Umschreibung für das Wort “Ausbeutung”.
Das gilt bis heute, wie das Beispiel Grönland zeigt. Und es gilt auch für die Länder, die unter dem “Schutz” der USA stehen, aber das ist ein anderes Thema.
Um Trumps Ambitionen auf Grönland zu untermauern, hat sein ältester Sohn die dänische Insel vor einigen Tagen besucht, nachdem sein Vater angekündigt hatte, sie aus Gründen der nationalen Sicherheit an die USA angliedern zu wollen. Schon während seiner ersten Amtszeit hat Präsident Trump Dänemark angeboten, die Insel zu kaufen, was Dänemark damals entrüstet abgelehnt hat.
Damit, dass Grönland wichtig ist, hat Trump durchaus Recht, denn auf Grönland gibt es viele Bodenschätze und für die durch die Abschmelzung des Nordpolarmeers entstehenden Schifffahrtsrouten lassen sich von Grönland aus kontrollieren. Außerdem ist die Insel militärisch wichtig, weil der dortige Militärstützpunkt etwaige aus Russland anfliegende Raketen früh erkennen kann. Daher nennt der künftige Präsident den Besitz Grönlands eine „absolute Notwendigkeit“.
Entscheidend für Trumps Idee dürfte aber weniger die nationale Sicherheit der USA aus militärischer Sicht sein, denn Trump ist nun einmal Geschäftsmann. Der Hauptgrund dürften die Bodenschätze sein.
Im Jahr 2023 veröffentlichte ( https://eng.geus.dk/about/news/news-archive/2023/june/great-potential-for-critical-raw-materials-in-greenland#:~:text=The%20Skaergaard%20intrusion,%20East%20Greenland,,%20titanium,%20vanadium%20and%20gallium. ) das Centre for Minerals and Materials Research im Forschungszentrum des dänischen Ministeriums für Klima, Energie und Versorgung einen Bericht über das Abbaupotenzial kritischer Bodenschätze auf Grönland. Dem Bericht zufolge gibt es in Grönland viele kritische Rohstoffe, die für die EU von wirtschaftlicher Bedeutung sind. Dazu gehören Seltene Erden, Graphit, Niob, Platingruppenmetalle, Molybdän, Tantal und Titan.
Die New York Times stellt fest ( https://www.nytimes.com/2025/01/07/us/politics/trump-greenland.html ), dass das Abschmelzen der Gletscher aufgrund des globalen Klimawandels an Dynamik gewinnt. Dies könnte in Zukunft Bohrungen nach Öl und den Abbau der anderen genannten Mineralien ermöglichen.
Und noch etwas ist sehr wichtig, denn bisher läuft der Handel zwischen Europa und Asien über den Suezkanal als kürzeste Route. Wenn die USA den nördlichen Schifffahrtsweg eröffnen würden, wie es Russland bereits tut, wäre die Route über das Nordpolarmeer zwischen Westeuropa und Ostasien um 40 Prozent ( https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S096669231100024X#:~:text=The%20navigation%20distance%20via%20the%20Northern%20Sea,to%20the%20route%20via%20the%20Suez%20Canal.&text=As%20emissions%20into%20air%20from%20ships%20mainly,environmental%20impact%20as%20well%20as%20corporate%20savings. ) kürzer als der Suezkanal.
Die USA könnten, wenn sie Kanada und Grönland kontrollieren, die Handelsströme zwischen Asien und Europa kontrollieren und bei Bedarf für politischen Druck nutzen.
Die dänische Premierministerin Mette Frederiksen sagte, dass die Grönländer selbst über ihre Zukunft bestimmen sollten, was eine bemerkenswerte Aussage ist, denn de facto gibt die dänische Regierung damit grünes Licht für ein Unabhängigkeitsreferendum auf Grönland.
Sie fügte hinzu, dass sie angesichts des wachsenden Einflusses Russlands und Chinas in der Region eine Zusammenarbeit zwischen Grönland und den USA befürworte und sie zeigte Verständnis ( https://anti-spiegel.ru/2025/daenisches-aussenministerium-das-land-ist-offen-fuer-einen-dialog-ueber-die-sicherung-der-us-interessen-in-der-arktis/ ) für die “Ambitionen” der USA und bot an, den USA zu helfen, sie zu erreichen, ohne dass Grönland ein Teil der USA wird, was Trump allerdings kaum besänftigen dürfte.
Außerdem dürfte ein Referendum um die Unabhängigkeit Grönlands für Dänemark nach hinten losgehen, weil die Ureinwohner sich wohl für die Unabhängigkeit entscheiden würden. Trump hat bereits vorgeschlagen, in einem Referendum nicht nur die Frage der Unabhängigkeit von Dänemark zu stellen, sondern auch den Anschluss an die USA Antwortmöglichkeit aufzunehmen.
Was das bedeutet, zeigt ein einfaches Rechenbeispiel: Grönland hat eine Bevölkerung von 56.000 Menschen. Wenn jeder Einwohner 200.000 Dollar erhält, könnte Trump die Insel für etwa 10 Milliarden Dollar kaufen, das ist ein Bruchteil der Summe, die die USA in den letzten Jahren für die Ukraine gezahlt haben.
Für die USA wäre das ein Bombengeschäft und es würde mit einem (gekauften) Referendum sogar demokratisch aussehen.
Kanada und die Arktis
Anfang 2025 endet die Ära des hochumstrittenen kanadischen Premierministers Trudeau, der endlich seinen Rücktritt angekündigt hat, weil er bei den nächsten Wahlen chancenlos ist. Seine Beliebtheitswerte sind so stark gesunken, dass er mehr als 20 Prozentpunkte hinter dem Spitzenkandidaten der Opposition liegt.
Als das bekannt wurde, schlug Trump erneut vor, dass die Kanadier den USA beitreten sollten, wie er es bereits im Dezember 2024 getan hatte:
„Viele Menschen in Kanada würden gerne der 51. Staat sein. Die USA konnten die riesigen Handelsdefizite und Subventionen, die Kanada zum Überleben brauchte, nicht länger tolerieren. Justin Trudeau wusste das und ist zurückgetreten.“
Trudeaus Schritt könnte ein Trick sein, denn sollte er die Wahlen krachend verlieren, wäre er politisch wahrscheinlich erledigt. Lässt er hingegen einen Nachfolger die Wahl verlieren, könnte er später eine Rückkehr an die Macht versuchen, denn in Kanada ist die Rückkehr von abgetretenen Premierministern an die Macht keineswegs selten.
Der erste Mal passierte das, als der erste Premierminister des Landes, John. A. Macdonald, im Jahr 1873 zurücktrat und fünf Jahre später wiedergewählt wurde. William Mackenzie King war von 1921 bis 1930 Premierminister Kanadas, und dann wieder von 1935 bis 1950. Pierre Trudeau, übrigens der Vater Justin Trudeau, war ab 1968 kanadischer Premierminister und kehrte nach einer Wahlniederlage auch wieder an die Macht zurück, bevor er sich 1984 aus der Politik zurückzog.
Aber das nur nebenbei, kommen wir zurück zu Trumps Ambitionen.
Trump hat für seine Forderung kräftige Druckmittel. Die von Trump angedrohten Zölle in Höhe von 25 Prozent auf alle kanadischen Exporte in die USA wären für beide Länder angesichts der Verflechtung ihrer Volkswirtschaften sehr kostspielig, hätten aber angesichts des Größenunterschieds zwischen den beiden Ländern aber viel größere Auswirkungen auf Kanada, dessen Wirtschaft ohnehin nicht in bester Verfassung ist.
Ich bin kein Kanada-Experte und kann daher nicht sagen, wie beliebt die Idee einer Vereinigung mit den USA in Kanada derzeit ist, aber Trump hätte als US-Präsident Hebel, die er nutzen könnte, um eine entsprechende Stimmung zu erzeugen.
Trumps Interesse an Kanada fügt sich nahtlos an sein Interesse an Grönland an, denn es geht auch hier um die Bodenschätze Kanadas und um die Kontrolle über eine künftige Route für Handelsschiffe zwischen Asien und Europa durch das Nordmeer.
Aber es kommt noch etwas hinzu, denn die Arktis rückt geopolitisch nicht nur wegen der Schifffahrtswege ins Interesse der Großmächte, sondern vor allem wegen am Boden des Nordmeeres vermuteten Bodenschätze. Der Anspruch auf diese Bodenschätze leitet sich aus den Küstenlinien der Anrainerstaaten her und da führt Russland bisher, während die USA mit Alaska bisher nur auf einen kleinen Teil Anspruch haben.
Dieses Bild verdeutlicht das sehr anschaulich. Stellen Sie sich einmal vor, alle Gebiete, auf die bisher Kanada und Dänemark (wegen Grönland) Anspruch haben, würden an die USA gehen. Darin liegt Trumps Interesse an Kanada und Grönland in Wahrheit, und aus diesem Grund hat er militärische Gewalt gegen Dänemark auch explizit nicht ausgeschlossen, denn es geht um sehr viel.

Der Panamakanal und das LNG
Auf einer Pressekonferenz bekräftigte Trump letzte seinen Wunsch, den Panamakanal ohne den Einsatz militärischer Gewalt in Besitz zu nehmen, was bedeutet, dass er auch hier militärische Gewalt nicht ausschließt.
In den letzten Monaten beschuldigte Trump Panama, China die Kontrolle über den strategisch wichtigen Seeweg, der den Atlantik und den Pazifik verbindet, zu gestatten, und US-Schiffe mit „exorbitanten“ Gebühren für die Durchfahrt zu belasten. Daher warnte er, dass er, wenn diese Gebühren nach seiner Amtseinführung im nächsten Monat nicht gesenkt würden, Maßnahmen ergreifen würde, um die vollständige und sofortige Kontrolle des Kanals durch die USA zu fordern.
Der Panamakanal ist wichtig für die US-Marine, denn er ermöglicht die schnelle Verlegung der Kriegsschiffe zwischen Atlantik und Pazifik. Und natürlich ist der Panamakanal für den Welthandel, vor allem für den Handel zwischen den USA und Asien, wichtig.
Und da kommt wieder LNG ins Spiel, denn das US-Frackinggas wird vor allem über Terminals am Golf von Mexiko exportiert, gleiches gilt für in den USA gefördertes Öl. Der Kanal ist für US-Exporte von Öl und Gas der kürzeste Weg (
nach Asien, wo Japan,https://neftegaz.ru/news/transport-and-storage/863363-panamskiy-kanal-stremitsya-k-vozobnovleniyu-postavok-spg-posle-snizheniya-obemov-perevozok-na-65/ ) China, Südkorea und Indien in den letzten zehn Jahren zu immer wichtigeren Kunden für die US-Konzerne geworden sind.
Damit ist der Panamakanal auch ein wichtiges Druckmittel auf die EU, die sich in die Abhängigkeit von amerikanischem LNG begeben hat. Sollte die EU den USA gegenüber ungehorsam sein, können die USA ihre Tanker problemlos nach Asien umleiten – und um das sicherzustellen, ist der Panamakanal entscheidend.
Werden die USA zum größten Staat der Erde?
Wenn Trump Pläne erfolgreich umsetzen kann, wird sich die Fläche der USA mehr als verdoppeln und die USA mit fast 22 Millionen Quadratkilometern (Russland hat ca. 17 Millionen Quadratkilometer) zum größten Staat der Welt machen. Die US-Bevölkerung würde auf 382 Millionen anwachsen und interessanterweise würde sich die demografische Struktur zu Gunsten der Weißen verändern, die jetzt 57 Prozent der US-Bevölkerung ausmachen. Käme Kanada hinzu, würde ihr Anteil auf 66 Prozent wachsen.
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