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Verheimlicht die Federal Reserve eine Krise?

Den geldpolitischen Lockerungszyklus mit happigen -50 Basispunkten einzuleiten, wäre ein Novum. Was wissen Powell&Co. mehr als wir?

16.9.2024

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Übermorgen, am 18. September 2024, steht ein Meilenstein bevor: Das Federal Open Market Committee (FOMC) des Federal Reserve Boards in Washington D.C. wird insgesamt zum vierten Mal in diesem Jahrhundert einen „Lockerungszyklus“ einleiten.

Der Grund: Die Inflation wurde durch hohe Zinsen wieder unter Kontrolle gebracht. So die offizielle Storyline ( https://insideparadeplatz.ch/2024/09/11/boersianer-lechzen-nach-50-basispunkten/ ). Eine Krise gibt es nicht.

Die letzten Male, als das FOMC die Zinsen zu senken begann, waren im Januar 2001, im August 2007 und im Juli 2019.

Zwei Mal waren handfeste Krisen der Auslöser, das dritte Mal war eigentlich alles in Ordnung – zumindest an der Oberfläche.

Im Januar 2001 handelte es sich um eine „notfallmässige“ Senkung des Zinssatzes um 0.5% von 6.5% auf 6%, die an einem Telefonat am 3. Januar 2001 beschlossen wurde ( https://www.federalreserve.gov/fomc/minutes/20010131.htm ).

Offizielle Gründe: „weakness in spending“. Das Kommittee war sich auch einig, dass die Risiken zu einer schwächeren Wirtschaftslage tendierten.

So das Narrativ im Protokoll. Was in dieser Zeit aber auch passiert war: Der Nasdaq hatte sich von März 2000 bis Januar 2001 halbiert. Die Internet-Blase war geplatzt.

50 Basispunkte Zinssenkung nach Platzen der Internetblase (Investing.com)

Auch im August 2007 leitete das FOMC den Zinssenkungszyklus „notfallmässig“ ein. Kein reguläres Meeting – aber ein knappes Statement, das recht dramatisch daherkam:

„Financial market conditions have deteriorated, and tighter credit conditions and increased uncertainty have the potential to restrain economic growth going forward“.

Gleichzeitig wurden die Zinsen um 50 Basispunkte gesenkt ( https://www.federalreserve.gov/newsevents/pressreleases/monetary20070817a.htm ).

„To promote the restoration of orderly conditions in financial markets, the Federal Reserve Board approved temporary changes to its primary credit discount window facility. The Board approved a 50 basis point reduction in the primary credit rate to 5.75 percent“.

Die Finanzmärkte funktionierten nicht mehr richtig. Es war Feuer unterm Dach.

Die Panik war ausgelöst worden durch Bear Stearns. Zwei Subprime Hedge Funds hatten die Hälfte ihres Werts verloren.

Der dritte Zinssenkungszyklus in diesem Jahrhundert begann mit einer 25 Basispunkte-Reduktion im Juli 2019 zunächst ohne sichtbare Krise.

Der „Trade War“ ( https://www.forbes.com/advisor/investing/fed-funds-rate-history/ ) mit China war zwar in vollem Gange und wurde von manchen als Grund für die Senkung gesehen, aber die Aktienmärkte befanden sich auf Allzeithochs.

Erst zwei Monate danach, im September 2019 zogen mit der Repo-Krise dunkle Wolken auf. Das Finanzsystem hing wieder am Tropf der Fed.

Kurz darauf kam Covid, und die Zinsen waren schnell wieder auf Null. Was für Anzeichen zur Abkühlung hatten die US-Zinshüter bereits im Juli 2019?

„Inclusive Workplace“ für 3’000 Spezialisten (Fed)

Nun also übermorgen zum Vierten. Eine sichtbare Krise ist nicht am Horizont. Also wird vielleicht doch nur um einen Viertel-Prozentpunkt gesenkt.

Oder köchelt schon eine Krise, die bald brodeln und noch verheimlicht wird?

Sollte das FOMC um 50 Basispunkte senken, wissen die 3’000 hochqualifizierten Mitarbeiter in Washington D.C. vielleicht mehr, als sie der Öffentlichkeit verraten wollen.

https://insideparadeplatz.ch/2024/09/16/verheimlicht-die-federal-reserve-eine-krise/

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