Overton Magazin
Durchtrennte Ostseekabel waren keine russische Sabotage, sollen Geheimdienste sagen
20. Januar 2025
Florian Rötzer
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Die russische Schattenflotte erzeugt mit ChatGPT.
Zwar wurde meist von mutmaßlichen Sabotageakten gegen Ostseekabel gesprochen, aber transportiert wurde von Regierungen und Medien, dass es doch die Russen mit ihrer Schattenflotte in ihrem hybriden Krieg gegen den Westen gewesen sein müssen, auch wenn einmal mit der Yi Peng 3 ein chinesisches Schiff in Verdacht stand. Die Ostsee-Anrainerstaaten der Nato trafen sich, um die Überwachung zu verstärken und das Meer militärisch mit „Baltic Sentry“ aufzurüsten.
In der Gemeinsamen Erklärung wird ohne Beweise auf Russland und die Schattenflotte hingewiesen. Nato-Generalsekretär Mark Rutte erklärte, es sei Sabotage gewesen, und sprach von Abschreckung. Der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius hatte sich weit aus dem Fenster gelehnt und behauptet, es sei Sabotage: „Niemand glaubt, dass diese Kabel aus Versehen durchtrennt worden sind.“ Außenminister Baerbock stand da nicht zurück: “Das können alles nicht einfach nur Zufälle sein.”
Die Washington Post berichtet nun, dass amerikanische und europäische Geheimdienste zu der Ansicht gekommen seien, dass es sich nicht um Sabotage gehandelt habe, sondern um Unfälle. Das passt nicht ins Nato-Narrativ, weswegen der Verdacht aufkommen könnte, dass der IT-Oligarch Jeff Bezos, dem die Zeitung gehört und der sich wie die anderen IT-Oligarchen mit Donald Trump arrangieren will, die Story losgetreten hat, um Trumps Plan, den Krieg in der Ukraine, zu beenden, zu unterstützen. Es wäre eine Entdämonisierung von Russland, was die Möglichkeit von Gesprächen und der Aufhebung von Sanktionen erleichtern würde.
Die Zeitung will die Informationen von anonym bleibenden Mitarbeitern der Geheimdienste erhalten haben. Das wiederum nährt den Verdacht, dass die Geheimdienste die Informationen leaken, um die Politik zu beeinflussen. Aber wahrscheinlich trifft tatsächlich zu, dass die Untersuchungen trotz der ungewöhnlichen Häufung der Vorfälle bislang keine Hinweise dafür ergeben haben, dass Schiffe ihre Anker absichtlich oder auf Befehl von Moskau über die Kabel geschleppt haben, um sie zu zerstören: „Amerikanische Offizielle verwiesen auf ‚klare Erklärungen‘, die in jedem der Fälle zu Tage getreten seien und darauf hindeuteten, dass die Schäden wahrscheinlich zufällig entstanden seien und dass es keine Beweise für eine russische Schuld gebe. Beamte von zwei europäischen Geheimdiensten erklärten, sie stimmten mit den Einschätzungen der USA überein.“
Das können die antirussischen Vertreter nicht so stehen lassen. So bleiben für den finnischen EU-Abgeordneten und Christdemokraten Pekka Toveri, ehemaliger Offizier und Direktor des Militärgeheimdienstes, die Schäden an den Kabeln eine „typische hybride Operation“ Russlands. Dazu gehöre, die Tat verleugnen zu können. Die russischen Geheimdienste könnten es geschafft haben, keine Spuren zu hinterlassen. Dann wären sie auch ohne Beweise die Schuldige, was das Nato-Narrativ aufrechterhält.
Solange auch keine Gegenbeweise präsentiert werden, sind russische Sabotageaktionen nicht von der Hand zu weisen. Es ist offenbar schwer, bei solchen Aktionen die Schuldigen zu finden. Das könnten die Anschläge auf Nord Stream demonstrieren. Da fiel auch zuerst der Blick auf Russland, jetzt scheint man sich auf ukrainische Täter geeinigt zu haben. Es sind auch andere Versionen im Umlauf, etwa dass Washington dahinter steht.
Die Washington Post schreibt auch, dass es Gründe gebe, die gegen russische Aktionen sprechen: „Es gibt auch Gründe für die Frage, warum Russland es riskieren würde, Unterwassersysteme in Wasserstraßen anzugreifen, die heute von Nato-Mitgliedsstaaten gesäumt werden. Dies könnte den Ölschmuggel gefährden, mit dem Russland den Krieg in der Ukraine finanziert, und möglicherweise aggressivere Bemühungen westlicher Regierungen provozieren, Russlands Route zum Nordatlantik abzuschneiden.“
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