Monika 🤗🧸(Name geändert)

Monika wird seit 12 Jahren ohne ihre Eltern durch eine Betreuerin und den ambulanten Krankenpflegedienst versorgt. Sie ist auf dem kognitiv-geistigen Niveau einer 5-Jährigen, bereift, dass ihre Eltern gestorben sind und auch sie mittlerweile alt geworden ist. Monika ist ~70 Jahre alt und liebt ihre Puppen, einige davon stammen noch aus ihrer Kindheit. Und sie mag jeden neuen Menschen, der in ihr Leben tritt. Über unser Kennenlernen sagte Monika, dass sie äußerst glücklich sei und das wir nun wohl auch Freunde sind. Ihr lächeln ist das eines Kindes, es ist sehr schwer, sie nicht sofort ins Herz zu schließen. Bevor die Eltern starben, sahen sie sich noch mit einer letzten großen Aufgabe konfrontiert: Wer wird Monika weiterversorgen? Jedes Mal, wenn ich mir versuche vorzustellen, mit welcher Gefühlswelt die Eltern aus dem Leben getreten sein müssen,

- mit der Ungewissheit, wie es für Monika weitergehen wird?,

- ob sie es gut haben wird?,

- ob ihre Versorgung auch in ferner Zukunft noch gesichert sein wird?,

- ob sie begreifen wird, wenn es irgendwann einmal mit ihr zu Ende geht?,

Und ob sie auch dann nicht alleine sein wird? ...wenn ich mir dies vor Augen halte, dann rührt es mich.

Doch Monika wirkt unbekümmert. Sie kämmt, wäscht und kleidet ihre Puppen und freut sich über jede Pflegekraft, die an dem Tag für sie zuständig ist.

Der Kontakt mit Monika wirft für mich die Frage nach dem Sinn und Unsinn von Mitleid auf. Ich bemitleide sie oft für ihre Unkenntnis über wirkliche Freundschaft, romantische Liebe und eines selbstbestimmten Lebens. Dabei ist Monika heiter und macht keinen Anschein überhaupt bemitleidet werden zu wollen. Ich könnte nun ihre Fähigkeiten, ihre emotionale Aufgeschlossenheit umdeuten und ihr eine Expertise andichten, die ich selbst nicht besitze, die Experitse jedem Menschen mit Wohlwollen und Glücklichsein zu begegnen. Doch etwas daran ist unaufrichtig. Wenn ich mich frage, ob ich meine Ernüchterung mit Monikas Leichtsinnigkeit tauschen würde, ist meine Antwort selbstverständlich nein. Sie mag in frohen Farben strahlen, aber sitzt in einem unsichtbaren Käftig. Ihre Unkenntnis mag niedlich Wirken, aber ist der eigentliche Grund für mein Mitleid. Sie braucht es nicht, ich halte es auch fern von ihr, bekomme es aber auch nicht ausgetrieben. Und so konserviert sich bei Monika die Zeit.

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