Wieso ist "ohne Ausnahme" so zentral?

"Ohne Ausnahme" ist ein zentrales Element der Aufklärung. Es begründet

sich in der Säkularität. Denn ohne einen Gott gibt es auch kein

auserwähltes Volk, da es keinen Gott mehr gibt, der uns auswählt.

Ebensowenig gibt es dann einen Messias. Es gibt eben lediglich Menschen

mit individuellen Bedürfnissen, die eine Schnittmenge bilden, die im

wesentlichen in den universellen Menschenrechten abgebildet sein sollen

und auch nur "ohne Ausnahme" universell sind.

Statt einer metaphysischen Entität wie Gott oder einer Ideologie leiten

wir unsere Werte aus dem kritischen Denken ab, welches wieder "ohne

Ausnahme" ist und sein muss, weil es von jedem und jeder nachvollzogen

werden kann. Unsere Kulturtechniken sind erlernbar, jeder kann - die

geeignete Ausbildung vorausgesetzt - das kritische Denken selbst

benutzen und so das Denken und das Gedachte nachvollziehen. Diese

Nachvollziehbarkeit macht das kritische Denken universell. Ein einfaches

Beispiel ist die Mathematik, jeder kann den [Beweis des

Euklids](https://de.wikipedia.org/wiki/Beweis_der_Irrationalit%C3%A4t_der_Wurzel_aus_2_bei_Euklid)

nachvollziehen, nur Ausbildung ist vorausgesetzt. Diese Ausbildung muss

jedem zugänglich sein (vgl.

[1](http://www.un.org/depts/german/menschenrechte/aemr.pdf%7CMenschenrechte).

Das kritische Denke ist nicht exklusiv.

Hierin liegt auch eine zentrale Voraussetzung für die Demokratie und das

Kernargument dafür, warum es entscheidend ist, alle Menschen im

politischen Prozess zu berücksichtigen und zumindest bei Wahlen alle

einmal zu fragen und niemanden auszuschliessen. Es ist dem kritischen

Denken vom Prinzip her nicht möglich Exklusiv zu sein. Eine Ausnahme

widerspräche dem kritischen Denken selbst, es wäre damit kein kritisches

Denken mehr.

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