Anti-Spiegel

Konferenz in Russland

„52 Länder führen Krieg gegen Russland“

Ich bin heute und morgen auf einer Konferenz, über die ich hier einen kurzen Überblick geben möchte, weil die Diskussionen ab Beginn gezeigt haben, wie russische Experten die aktuelle weltpolitische Lage einschätzen.

von Anti-Spiegel

17. Oktober 2024 13:14 Uhr

Ich werde seit 2019 jedes Jahr im Oktober zu einer Konferenz eingeladen, in der russische Experten über die Lage der Medien, über den Informationskrieg und über die geopolitische Situation sprechen. Daher werde ich heute nicht dazu kommen, weitere Artikel zu schreiben, sondern erst ab Freitagabend wieder Artikel veröffentlichen.

Trotzdem will ich hier einen kurzen Überblick über die ersten Vorträge und Diskussionen der Konferenz geben, weil es für das Verständnis der russischen Position in der Weltpolitik wichtig ist, zu verstehen, wie russische Experten und führende russische Journalisten die Lage in der Welt einschätzen, denn natürlich sind sie es, die, wie in jedem Land der Welt, zur Bildung der öffentlichen Meinung in Russland beitragen.

52 Staaten führen Krieg gegen Russland

Schon in den ersten beiden Podiumsdiskussionen hat wirklich jeder Experte in seinem Vortrag darauf hingewiesen, dass es heute nicht um den Krieg in der Ukraine geht, sondern darum, dass 52 Staaten der Welt Krieg gegen Russland führen. Die 52 westlichen Staaten führen mit ihren Sanktionen einen Wirtschaftskrieg, mit ihren Zensurmaßnahmen gegen russische Medien einen Informationskrieg, mit ihrem Druck auf den Rest der Welt, sich der anti-russischen Politik anzuschließen, einen diplomatischen Krieg, und mit ihren Waffenlieferungen und ihrer finanziellen Unterstützung für Kiew auch einen aktiven Krieg gegen Russland. Das ist mittlerweile auch in der russischen Gesellschaft die vorherrschende Meinung, wie ich in privaten Gesprächen im Freundeskreis ständig erlebe.

Vor einigen Tagen habe ich einen Bericht des russischen Fernsehens über den Zweiten Weltkrieg übersetzt, in dem es darum ging, dass schon damals ganz Europa – und nicht etwa nur Nazi-Deutschland – Krieg gegen die Sowjetunion geführt hat, denn auf der Seite von Nazi-Deutschland waren ganz offiziell auch Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Kroatien, Finnland, die Slowakei und Italien im Krieg mit der Sowjetunion, und außerdem gab es hunderttausende Freiwillige aus Frankreich, den Benelux-Staaten, Skandinavien, Spanien und anderen europäischen Ländern, die in der Waffen-SS oder der Wehrmacht gegen die Sowjetunion gekämpft haben. Und natürlich hat die gesamte Industrie des von den Nazis kontrollierten Europas für die Kriegsmaschinerie der Nazis gearbeitet.

Für die Russen ist das, was heute vor sich geht, also durchaus ein Déjà-vu, zumal in der Ukraine offen Nazi-Symbole gezeigt werden und Kollaborateure der Nazis in der Ukraine als die wichtigsten Nationalhelden verehrt werden.

Man muss dieser russischen Sicht nicht zustimmen, aber zum Verständnis der Stimmung in Russland und der russischen Politik ist es wichtig, zu verstehen, dass das in Russland sowohl die Experten und Journalisten, als auch die Mehrheit der Menschen so sehen.

Krieg oder Militäroperation?

Einer bekanntesten Moderatoren einer politischen Sendung im russischen Fernsehen hat auf der Konferenz in seiner Rede auch noch einmal darauf hingewiesen, warum im russischen Fernsehen meistens von einer Militäroperation anstatt eines Krieges gesprochen wird. Weil westliche Medien immer noch behaupten, es sei in Russland strafbar, das Wort Krieg zu verwenden, will ich darauf noch einmal eingehen.

Tatsächlich hat Russland der Ukraine nicht den Krieg erklärt und auch die Ukraine hat Russland nicht den Krieg erklärt. Rein formell ist es daher kein Krieg, sondern eine Militäroperation. Hinzu kommt, dass die Russen die Ukrainer immer noch als Brudervolk oder sogar als Teil des russischen Volkes ansehen, weshalb in Russland, wenn man schon von einem Krieg in der Ukraine spricht, oft von einem Bürgerkrieg die Rede ist.

Dennoch ist allen klar – und das wird auch im russischen Fernsehen offen gesagt, ohne dass dafür jemand bestraft wird -, dass das, was sich in der Ukraine abspielt, ein vollumfänglicher Krieg ist. Und das wird in russischen Medien auch offen gesagt, wenn beispielsweise über die Kampfhandlungen berichtet wird.

Der russische Fernsehmoderator sagte, als er in seinem Vortrag darüber sprach, daher, „dass Russland de facto mit 52 Staaten im Krieg ist und dass die Militäroperation nur ein kleiner Teil dieses großen Krieges ist“.

De facto sind wir im Dritten Weltkrieg

In Russland ist man sich darüber im Klaren, dass wir de facto im Dritten Weltkrieg sind, in dem der US-geführte Westen geschlossen gegen Russland kämpft. Dass es (noch) keinen offenen Krieg zwischen der NATO und Russland gibt, liegt nur daran, dass man auf beiden Seiten keinen Atomkrieg will, der aber die zwangsweise Folge wäre, wenn die NATO und Russland militärisch aneinander geraten.

Daher bekämpfen die Staaten der NATO Russland mit allen Mitteln (Wirtschaftskrieg, Informationskrieg, diplomatischer Krieg, etc.), außer einer vollkommen offenen Kriegsbeteiligung.

Das bedeutet, dass diese Konfrontation nicht endet, wenn der Krieg in der Ukraine endet, denn der Westen wird seine anti-russischen Maßnahmen danach nicht einstellen, sondern versuchen, neue Fronten zu eröffnen. Das ist einer der Gründe, warum der US-geführte Westen so viel Energie daran setzt, seinen Einfluss in Moldawien und Armenien auszubauen, und warum der Westen so offen gegen die georgische Regierung vorgeht, wo Ende Oktober Wahlen anstehen: Diese Länder können, wenn der Westen sie kontrolliert, jederzeit als eine Art weitere Ukraine instrumentalisiert werden.

Die Konfrontation wird also noch lange weitergehen und meiner Meinung nach wird sie erst enden, wenn es entweder dem Westen gelingt, Russland als Staat zu zerschlagen, wie es schon mit der Sowjetunion geschehen ist, oder wenn es Russland – mit welchen Mitteln auch immer – gelingt, den Einfluss der USA aus Europa zu vertreiben. Ich sehe derzeit kein realistisches Szenario, das ein anderes Ende des aktuellen West-Ost-Konfliktes aufzeigt.

Leider…

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