Das Märchen vom Fachkräftemangel!
Der Begriff "Fachkräftemangel" ist in Deutschland ein kontrovers diskutiertes Thema, das oft als Erklärung für eine Vielzahl von wirtschaftlichen und sozialen Problemen herangezogen wird. Doch wie stichhaltig ist diese Behauptung wirklich?
Zunächst ist es wichtig, die ökonomische Theorie zu betrachten. Laut dieser gibt es keinen Fachkräftemangel, da Unternehmen in der Lage sein sollten, durch höhere Löhne mehr qualifizierte Bewerber anzulocken. Dies wird durch die Möglichkeit der Unternehmen unterstützt, zwei Stellschrauben zu nutzen: höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen.
Die Statistiken und Zahlen, die oft zitiert werden, um den Fachkräftemangel zu belegen, sind ebenfalls fragwürdig. Zum Beispiel behauptet die Bundesagentur für Arbeit, es gäbe einen Mangel, wenn auf 100 offene Stellen weniger als 300 passende Bewerber kommen. Das Institut der deutschen Wirtschaft und der VDI verwenden Multiplikatoren, um die Anzahl der fehlenden Fachkräfte hochzurechnen, doch diese Zahlen sind umstritten. Der VDI hat sogar seine eigene Schätzung der fehlenden Ingenieure von 90.000 auf 22.000 korrigiert, was eine Diskrepanz von 68.700 Ingenieuren ergibt. Zudem wird der volkswirtschaftliche Schaden durch fehlende Fachkräfte oft mit rund 33 Milliarden Euro jährlich beziffert, eine Zahl, die ebenfalls in Frage gestellt wird.
Die Doku "Das Märchen vom Fachkräftemangel" geht sogar noch weiter und behauptet, dass die Zahlen möglicherweise manipuliert sind und von den Medien unkritisch übernommen werden. Es wird argumentiert, dass der Begriff "Fachkräftemangel" ein von Unternehmenschefs und Lobbyisten erfundener Mythos ist, um den Arbeitsmarkt zu liberalisieren und so aus einem Überangebot die besten Kandidaten auswählen zu können, ohne höhere Löhne zahlen zu müssen.
In speziellen Branchen wie der Pflege ist es offensichtlich, dass nicht nur höhere Löhne, sondern auch bessere Arbeitsbedingungen nötig sind, um Personalengpässe zu beheben. Die Politik könnte hier durch Senkung von Steuern und Sozialabgaben den Arbeitsmarkt attraktiver gestalten.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der sogenannte Fachkräftemangel in Deutschland weniger ein Mangel an qualifizierten Arbeitskräften ist, sondern eher ein Symptom struktureller Probleme auf dem Arbeitsmarkt. Es ist daher wichtig, die verschiedenen Perspektiven und die zugrunde liegenden Zahlen kritisch zu hinterfragen, um ein umfassendes Verständnis der Situation zu erhalten.