Anti-Spiegel
Kampf um Bodenschätze
Warum Ostafrika ein ausgewachsener Krieg droht
Wie immer verschweigen deutsche Medien wie der Spiegel, worum es bei Konflikten in Afrika wirklich geht. Der Spiegel hat zwar viele Artikel über den Krieg in der Demokratischen Republik Kongo veröffentlicht, aber wer erfahren will, was dort wirklich vor sich geht, muss auf nicht-deutsche Medien zurückgreifen.

von Anti-Spiegel
29. Januar 2025 10:00 Uhr
Im Spiegel sind in den letzten Tagen viele Artikel über die Kämpfe veröffentlicht worden, die mit offensichtlicher Unterstützung Ruandas in der Demokratischen Republik Kongo toben. Eine wichtige Stadt ist umkämpft, oder sogar schon eingenommen. Worum es bei dem Konflikt geht, kann man beim Spiegel hingegen bestenfalls zwischen den Zeilen erfahren, wenn man die Artikel sehr aufmerksam liest.
So hat der Spiegel am 27. Januar beispielsweise einen Artikel mit der Überschrift „Krieg in Kongo – Kampf um Macht und Einfluss – und die Rohstoffe für unsere Smartphones“ ( https://www.spiegel.de/ausland/kongo-proruandische-rebellen-haben-die-millionenstadt-goma-genommen-a-40cba61d-a19e-4378-9b82-b3b728e6bda3 ) veröffentlicht, der mit folgender Einleitung begann:
„Proruandische Rebellen sind in die Millionenstadt Goma in der Demokratischen Republik Kongo einmarschiert. Hunderttausende sind auf der Flucht. Der Westen könnte den Vormarsch stoppen, warum tut er es nicht?“
Kritische Leser ahnen es schon, es geht tatsächlich um seltene und wichtige Bodenschätze, womit die Antwort auf die Frage, warum der Westen nicht eingreift, auf der Hand liegt: Er profitiert von den Bodenschätzen, die die Aggressoren erobern.
Die „Rohstoffpartnerschaft“
Der Spiegel hingegen beantwortet die Frage, warum der Westen nicht reagiert, wie folgt:
„Die USA, die EU, Frankreich und Großbritannien haben das Vorgehen Ruandas verurteilt. Aber ansonsten verhält sich die internationale Gemeinschaft bisher zurückhaltend, hat keine Sanktionen gegen die ruandische Regierung erlassen, trotz der Invasion im Nachbarland. In diplomatischen Kreisen zeigt man bis heute viel Verständnis für das Regime in Kigali. In den meisten Hauptstädten sei das Interesse an Zentralafrika ohnehin sehr gering, andere Regionen wie die Ukraine oder der Nahe Osten im Fokus, erzählen Diplomaten aus europäischen Ländern.“
Klar, aber dass das eher nicht die ganze Wahrheit ist, kann man in dem Artikel an anderer Stelle in einem eher nebenbei fallenden Satz erfahren:
„Doch anstatt Druck aufzubauen, arbeitet Europa bisher eng mit dem ruandischen Autokraten Paul Kagame zusammen, hat im vergangenen Jahr sogar eine sogenannte Rohstoffpartnerschaft geschlossen“
Der Zusammenhang liegt also auf der Hand: Ruanda will eine rohstoffreiche Region der Demokratischen Republik Kongo erobern und der Westen hat zufälligerweise eine „Rohstoffpartnerschaft“ mit Ruanda geschlossen. Warum also sollte der Westen Ruanda stoppen?
Pro-russische Proteste, aber kein Wort im Spiegel
Interessant, nicht wegen seines Inhaltes, sondern wegen dem, was weggelassen wurde, war auch ein anderer Spiegel-Artikel vom 28. Januar mit der Überschrift „Krieg in Ostkongo – Polizei setzt offenbar Tränengas gegen Demonstranten in Kinshasa ein“ ( https://www.spiegel.de/ausland/demokratische-republik-kongo-ruanda-stimmt-laut-suedafrika-friedensgespraechen-zu-a-234d1134-70cb-4c62-a688-ef039c0614e7 ). In dem Artikel hieß es:
„In der Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo ist es zu Unruhen gekommen. Die Polizei setzte in Kinshasa offenbar Tränengas gegen Demonstranten ein, die aus Wut über den Konflikt im Osten des Landes diplomatische Gebäude der USA, Frankreichs, Ruandas, Ugandas und Kenias angriffen.“
In dem Artikel lässt der Spiegel wieder die wichtigen Informationen weg, denn die westlichen Botschaften wurden von der wütenden Bevölkerung angegriffen, weil sie dem Westen vorwirft, Ruanda beim Krieg gegen das eigene Land zu unterstützen. Das könnten auch Spiegel-Leser verstehen, wenn sie wüssten, dass die Demonstranten gleichzeitig Hilfe von Russland fordern, das sie als ihre große Hoffnung sehen.
Aber das berichtet der Spiegel natürlich nicht.
Hier zeige ich, wie die russische Nachrichtenagentur TASS über den Konflikt zwischen Ruanda und der Demokratischen Republik Kongo berichtet und übersetze einen Artikel ( https://tass.ru/opinions/22994431 ) eines TASS-Experten.
Beginn der Übersetzung:
Höllische Mischung: Wie in Ostafrika ein ausgewachsener Krieg ausbricht
Oleg Osipov, Kolumnist des Analysezentrums der TASS, darüber, wie Rebellen in der Demokratischen Republik Kongo die wichtigste Stadt besetzt haben und was Ruanda und die USA damit zu tun haben
Tausend smaragdfarbene Hügel und ein kristallklarer See; eineinhalb Grad südlicher Breite, das beste Klima der Welt, das ganze Jahr über 25 bis 30 Grad. Da wächst alles, was man will. So hat die Natur im ostafrikanischen Grabenbruch ein Land geschaffen, dem die Menschen den Namen Kivu gegeben haben. Doch trotz seiner paradiesischen Schönheit ist es einer der gefährlichsten Orte der Welt. Und das liegt nicht nur an den giftigen Gasen, die aus den Tiefen des Sees aufsteigen. Jetzt braut sich dort ein großer Krieg zusammen.
Was vor sich geht
Formal ist es eine Konfrontation zwischen zwei Staaten auf dem Kontinent: der Demokratischen Republik Kongo (DRK, früher Zaire) und Ruanda. Beide Länder waren einst in kolonialer Abhängigkeit von Belgien, aber wie alles in Afrika ist auch dieser Konflikt komplizierter und einfacher zugleich. Die Millionenstadt Goma im nördlichen Kivu-Gebiet gehört zur Demokratischen Republik Kongo. Das ruandische Kisenyi, dessen Bevölkerung allerdings nur ein Drittel ausmacht, ist direkt daneben entstanden, über einen Bach hinweg, der in denselben schönen See fließt.
Ende Januar nahm die kongolesische Rebellengruppe Bewegung des 23. März (M23), die von Ruanda unterstützt wird, Goma ein, wobei noch nicht klar ist, welchen Teil der Stadt die Angreifer kontrollieren. Augenzeugen berichten, dass Angreifer im Zentrum der Stadt zu sehen und Schüsse in der Nähe des Flughafens zu hören sind. Die Reaktion der Einwohner selbst auf die Invasion war unterschiedlich: Einige blieben zu Hause, andere kamen heraus, um die Männer mit Maschinengewehren zu empfangen.
Berichten zufolge ist der Gouverneur der Provinz Nord-Kivu getötet worden. Neun südafrikanische Friedenssoldaten wurden getötet. Die Gesamtzahl der Menschen, die ihr Leben verloren haben, ist immer noch schwer zu schätzen, die Angaben schwanken stark.
Was hat das mit dem Nachbarland zu tun?
Medienberichten zufolge haben die ruandischen Verteidigungskräfte die M23 in den letzten Tagen bei ihrem Vormarsch unterstützt. Es heißt, die meisten Generäle des ruandischen Kommandos befänden sich in Kisenyi, und die ruandische Armee sei bereit, jeden Moment die Grenze zu überschreiten.
Die östlichen Teile der Demokratischen Republik Kongo, die an Ruanda grenzen, waren in den letzten drei Jahrzehnten eine höllische Mischung aus ethnischen Konflikten, Streitigkeiten um Geld zwischen Einheimischen und Ausländern und „Duellen“ von Rebellengruppen, die nach dem berüchtigten ruandischen Völkermord von 1994 entstanden sind. Vor 30 Jahren töteten Extremisten der Hutus hier etwa eine Million Vertreter einer anderen Ethnie, Tutsi, und auch ihre eigenen, aber gemäßigten Hutus. Seitdem ist hat sich das beruhigt. Die M23 ist nur eine in einer langen Liste von Gruppen, die in den 1990er Jahren entstanden sind. Und sie wird von den Tutsi angeführt.
Vielleicht ist nicht Westafrika, sondern der Osten der Demokratischen Republik Kongo heute der konfliktträchtigste Teil des Kontinents.
Alles wegen dem, was unter der Erde liegt?
Offenbar stehen die jüngsten Ereignisse auch in direktem Zusammenhang mit der Ausfuhr eines sehr nützlichen Minerals aus der Demokratischen Republik Kongo: Coltan. Es ist ein wichtiges Material für die Herstellung von Elektrolytkondensatoren, die in allen elektronischen Geräten zu finden sind. 80 Prozent der nachgewiesenen Coltan-Reserven sind in Afrika, hauptsächlich in der Demokratischen Republik Kongo. Jeden Monat werden im Osten der Demokratischen Republik Kongo mehr als 150 Tonnen Coltan illegal abgebaut und nach Ruanda transportiert, wo es in betrügerischer Weise als Exportgut gekennzeichnet wird, so die Außenministerin der Demokratischen Republik Kongo Theresa Kayikwamba Wagner.
In den Minen im Osten der Demokratischen Republik Kongo werden auch Zinn, Tantal und Wolfram gefördert. Außerdem gibt es dort bedeutende Goldreserven. Wo immer die M23 Fuß fasst, setzen die Kämpfer ein für sie günstiges Steuersystem ein, das es der Gruppe ermöglicht, Einnahmen zur Aufrechterhaltung des Konflikts zu erzielen. Die M23 beeinflusst alle Aspekte der lokalen Regierungsführung im Osten der riesigen Demokratischen Republik Kongo, während die Hauptstadt Kinshasa rund 1.600 Kilometer Luftlinie entfernt ist. Die Bewegung hat Wege gefunden, die lokale Wirtschaft in Nord-Kivu zu kontrollieren und von ihr zu profitieren, einschließlich der Lieferketten für Mineralien.
Der Ausbruch der Gewalt in Ostafrika steht möglicherweise auch im Zusammenhang mit dem jüngsten Präsidentenwechsel in den USA. Der Krieg, wie auch jede Instabilität in dieser Region oder anderswo in der Welt, spielt der Strategie der US-Republikaner zur Eindämmung Chinas in die Hände. China, das für seine langfristigen Strategien bekannt ist, finanziert und subventioniert nun nicht mehr nur lokale Projekte, sondern auch eigene Unternehmen, die direkt auf dem afrikanischen Markt tätig sind, bis hin zur Schaffung von Enklavenstädten. Die Chinesen lassen sich die Finanzen nicht aus der Hand nehmen.
Die Demokratischen Republik Kongo hat bereits die diplomatischen Beziehungen zu Ruanda abgebrochen. UN-Generalsekretär António Guterres hat die Offensive der M23 verurteilt. Russland hat eine sofortige Einstellung der Feindseligkeiten und eine Lösung für den illegalen Ressourcenabbau gefordert.
In der Hauptstadt brennen Botschaften, Russland wird um Hilfe gebeten
Die Einwohner von Kinshasa haben inzwischen damit begonnen, Botschaften von Ländern zu verwüsten, die im Verdacht stehen, die Rebellen zu unterstützen. Nach Angaben des Radiosenders Voice of Congo wurde die ugandische diplomatische Vertretung geplündert und die französische Vertretung in Brand gesetzt. Barrikaden aus brennenden Reifen blockierten die Straße vor der US-Botschaft und sie forderten den Abzug der M23 und der ruandischen Truppen aus der Demokratischen Republik Kongo und ein Ende der Plünderung der Bodenschätze des Landes. Auch in anderen Städten finden Solidaritätskundgebungen mit der kongolesischen Armee statt.
In den sozialen Netzwerken der Demokratischen Republik Kongo häufen sich die Aufrufe, das Leben in Kinshasa aus Protest gegen die ruandische Aggression lahm zu legen.
Auf der anderen Seite wird Russland gebeten, bei der Lösung des bewaffneten Konflikts zu helfen. Die Teilnehmer an den Massendemonstrationen in der Hauptstadt sehen in Russlands Position in der Weltpolitik eine Alternative zur „Heuchelei des Westens“. Unterdessen fordern unsere Diplomaten die in der Provinz Nord-Kivu lebenden Russen auf, das Gebiet zu verlassen. Darüber hinaus hat die Botschaft russische Staatsbürger aufgefordert, bei Reisen in Kinshasa Vorsicht walten zu lassen, da lokale Jugendorganisationen Demonstrationen zur Unterstützung der nationalen Armee planen. Die Botschaft selbst arbeitet normal, sagte Presseattaché Alina Mirsachanowa.
Goma ist nicht nur eine Stadt am Ufer des malerischen Kivu-Sees, wofür vor kurzem noch Reisebüros für Hotels und Yachttouren warben. Sie könnte zum Epizentrum einer weiteren afrikanischen Tragödie mit zahllosen Opfern werden, in der sich – Gott bewahre – interethnischer Hass, Profitgier und Schadenfreude der ehemaligen Kolonialherren vermischen.
Russland unterhält sowohl mit der Demokratischen Republik Kongo als auch mit Ruanda freundschaftliche und partnerschaftliche Beziehungen. Am Rande des Russland-Afrika-Wirtschaftsforums und -Gipfels in Sotschi 2019 wurde ein Abkommen zwischen den Regierungen Russlands und Ruandas über die Zusammenarbeit beim Bau des Zentrums für Nuklearwissenschaft und -technologie in dem afrikanischen Land unterzeichnet. Die Russland und die Demokratischen Republik Kongo bereiten eine Reihe von Abkommen über wirtschaftliche und humanitäre Zusammenarbeit vor.
Ende der Übersetzung
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