Weizenbaum-Institut:
Desinformation: nicht Unkenntnis, sondern politische Verortung (Interview mit der Politikwissenschaftlerin Jeanette Hofmann) – Auszug: „Politische Orientierung gehört zu den tief verwurzelten Werthaltungen, die man nicht einfach so umschmeißt. Aus Sicht der gegenwärtigen Forschungslage spricht nicht viel dafür, dass Desinformation eine solche tiefgreifende Wirkung auf die Einstellungsmuster und das Wahlverhalten von Menschen hat. Doch die Diskussion über Desinformation geht zumeist davon aus, dass die Menschen gutgläubige, manipulierbare Schafe sind. (…) Die meines Erachtens wichtigste Maßnahme gegen Desinformation besteht in der Stärkung der Pluralität der professionellen Medien. (…) Alle politischen Kräfte [zielen] auf die Beeinflussung oder Manipulation ihrer Wähler:innen, und diese sind sich dieser Tatsache auch durchaus bewusst. Selbst das Lügen in der politischen Kommunikation sei okay, solange es hinreichende Möglichkeiten zum Widerspruch gibt. Die eigentliche Gefahr, so [die Politiktheoretikerin Lisa] Disch, liegt in Rahmenbedingungen, die ein wirkungsvolles Widersprechen verunmöglichen.“