Die wahre Göttlichkeit erstrahlt in der Liebe, die aus der Natur entspringt und durch den freien Geist der Menschen zur universellen Kraft wird. „L’amour est une étoffe tissue par la nature et brodée par l’imagination,“ sprach Voltaire, und so ist die Menschlichkeit: ein Gewebe der göttlichen Ordnung, durch die Phantasie des Herzens veredelt.

Sowohl Spinoza als auch Voltaire wollten die Dogmen der Kirche brechen, jedoch auf unterschiedliche Weise. Spinoza tat dies durch eine radikale metaphysische Neuinterpretation von Gott, während Voltaire die Kirche durch Satire, Kritik und die Betonung von Vernunft und Natur herausforderte. Beide waren Produkte ihrer Zeit, in der die Macht der Kirche das freie Denken einschränkte, und ihre Ideen waren ein Schritt hin zu einer säkulareren, rationaleren Weltanschauung.

Spinoza lebte in einer Zeit, in der die Kirche – sowohl katholisch als auch protestantisch – großen Einfluss hatte und abweichende philosophische Ideen oft als Ketzerei verfolgt wurden. Sein Konzept von „Deus sive Natura“ (Gott oder Natur) war ein radikaler Bruch mit der traditionellen christlichen Vorstellung eines persönlichen, transzendenten Gottes. Indem er Gott und Natur gleichsetzte, eliminierte Spinoza die Notwendigkeit eines übernatürlichen Eingriffs und stellte eine rationalistische, pantheistische Sicht vor, die die Kirche als Bedrohung ansah. Spinozas Ziel war es, die Welt durch Vernunft zu erklären, ohne auf religiöse Dogmen zurückzugreifen. Seine Philosophie war ein Versuch, die Macht der Kirche über das Denken zu brechen und eine neue, rationale Grundlage für Spiritualität zu schaffen.

Voltaire, ein Vertreter der Aufklärung, stand ebenfalls im Konflikt mit der Kirche, wählte jedoch eine andere Herangehensweise. Als Deist glaubte er an einen Schöpfergott, der die Welt nach rationalen Prinzipien erschaffen hat, lehnte allerdings die Dogmen und Machtstrukturen der Kirche ab. Voltaire kritisierte die Intoleranz und den Aberglauben der Kirche scharf und betonte Vernunft sowie die natürliche Ordnung. In seinem Zitat „L’amour est une étoffe tissée par la nature et brodée par l’imagination“ spricht Voltaire von der Natur als Quelle der Liebe, was mit seiner deistischen Sicht übereinstimmt, dass die Natur eine von Gott geschaffene Ordnung ist. Seine Betonung der Imagination zeigt, dass der Mensch eine aktive Rolle in der Gestaltung seiner Erfahrungen spielt – ein Gedanke, der die Autonomie des Individuums gegenüber kirchlichen Vorgaben unterstreicht.

Spinoza und Voltaire lebten in einer Zeit, in der die Kirche eine dominierende Macht war, die es zu überwinden galt, um Raum für freies Denken zu schaffen. Heute, wo dieser Kampf größtenteils gewonnen ist, geht es mehr um die Wiederentdeckung spiritueller Werte in einer säkularen, technologisierten Welt – eine spirituelle Verbindung zu Gott, um neue Machtstrukturen wie Finanzialisierung, Lobbyismus und Postmoderne aufzubrechen, die sich im sogenannten Neoliberalismus kumulieren, ohne in alte Ideologien zu verfallen, wie es die Irrwege des Links- und Rechtstums hervorgebracht haben.

Eine Rückkehr zum Christentum könnte daher eine Reaktion auf die Säkularisierung darstellen – eine Wiederentdeckung metaphysischer Grundlagen, ein Bedürfnis nach spiritueller Tiefe in einer Welt, die zunehmend von Technologie, Algorithmen wie KI, und Materialismus geprägt ist. Ob die Kirche diesen Wandel mitgeht oder nicht, bleibt unerheblich; das Bild Gottes lebt seit Anbeginn der Zeit im menschlichen Geist. Es zeigt das natürliche Bedürfnis nach Freiheit, einen spirituellen Liberalismus, wie ihn Jesus lehrte:

„Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz und die Propheten aufzuheben. Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen.“ – Matthäus 5,17

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