#literatur
Wir sitzen alle im gleichen Zug
und reisen quer durch die Zeit.
Wir sehen hinaus. Wir sahen genug.
Wir fahren alle im gleichen Zug.
Und keiner weiร, wie weit.
Ein Nachbar schlรคft, ein andrer klagt,
ein dritter redet viel.
Stationen werden angesagt.
Der Zug, der durch die Jahre jagt,
kommt niemals an sein Ziel.
Wir packen aus, wir packen ein.
Wir finden keinen Sinn.
Wo werden wir wohl morgen sein?
Der Schaffner schaut zur Tรผr herein
und lรคchelt vor sich hin.
Auch er weiร nicht, wohin er will.
Er schweigt und geht hinaus.
Da heult die Zugsirene schrill!
Der Zug fรคhrt langsam und hรคlt still.
Die Toten steigen aus.
Ein Kind steigt aus, die Mutter schreit.
Die Toten stehen stumm
am Bahnsteig der Vergangenheit.
Der Zug fรคhrt weiter, er jagt durch die Zeit,
und keiner weiร, warum.
Die erste Klasse ist fast leer.
Ein feister Herr sitzt stolz
im roten Plรผsch und atmet schwer.
Er ist allein und spรผrt das sehr.
Die Mehrheit sitzt auf Holz.
Wir reisen alle im gleichen Zug
zur Gegenwart in spe.
Wir sehen hinaus. Wir sahen genug.
Wir sitzen alle im gleichen Zug
und viele im falschen Coupรฉ.
Erich Kรคstner
Wรผnsche uns allen eine Gute Reise!